Mein Jahr als Bufdi an der GGS Grüntal – Ein Erfahrungsbericht

BFD-Erfahrungsbericht von Valeria Thiermann

Das freiwillige Jahr an der Grundschule Grüntal war die beste praktische Erfahrung, die ich in meinem Leben bisher hätte machen können. Es trägt nicht nur zur Persönlichkeitsentwicklung bei, sondern gewährt viele hautnahe Einblicke in Alltage, Berufe und Menschen. Jeden Tag erlebt man den Alltag der Kinder und Lehrkräfte mit.

Nach all den Jahren Schülersein sieht man wieder, wie der Schultag abläuft: Morgens um acht Uhr fängt der Unterricht an, aber mein Part hört nicht damit auf, den Kindern die Aufgaben zu erklären und dabei zu helfen. Als Bufdine war ich oft in einem Spagat: Nachdem ich mehrere Kinder unterstützen konnte, lief ich weiter zum Kopierer, um den nächsten Lernstoff oder die wöchentlichen Hausaufgaben auszudrucken, habe jeden Tag bei der Aufsicht in der Pause geholfen oder habe mich lange Zeit morgens um die Lolli-Testungen gekümmert.

Es war erfrischend für mich nach meiner Schullaufbahn eine Erfahrung aus der anderen Perspektive zu machen. Ich war zwar keine Schülerin in dieser Zeit, jedoch habe ich schnell gemerkt, dass ich viel von diesem Umfeld und meiner Arbeit lernen kann. Kein Tag war vergleichbar mit dem davor, denn es gab immer neue Themen und Herausforderungen mit denen man sich gerne auseinander gesetzt hat.

Besonders in den ersten Monaten merkt man, dass die Arbeit anstrengend sein kann- körperlich sowie mental. Täglich acht Stunden zu arbeiten ist anders als acht Stunden lang die Schule zu besuchen.

Gleichzeitig kann ich sagen, dass ich kaum einen Tag ohne Lächeln oder gutem Gefühl nach Hause gegangen bin, egal wie intensiv der Tag war. Mal hat man Spaß, weil man mit den Kindern seilspringt oder Fangen spielt, mal hat man Spaß, weil von den Kindern- in Form einer Umarmung oder eines selbstgemalten Bildes- und von den Erwachsenen ein herzliches Dankeschön kommt. Durch diese Dankbarkeit findet man den Sinn im Tun und Sein. Manchmal mag man denken, dass Bufdis ihre Zeit nur absitzen und nur grundlegende Aufgaben erledigen, die im Alltag erledigt werden müssen, aber auch an unseren schlechten Tagen helfen wir dort, wo wir können und genau das ist es, was zählt.

Apropos Bufdis! Bevor man einen Bundesfreiwilligendienst anfängt, wird man über die fünf verschiedenen Seminare aufgeklärt, an denen man teilnehmen muss. Die 25 Seminartage sind normalerweise in fünf Wochen aufgeteilt, sodass man etwa alle zwei bis drei Monate zwischen der Arbeit ein Seminar hat. Im besten Fall ist ein Seminar in Präsenz am Bildungszentrum Bocholt, wo man persönlich auf weitere Bufdis aus NRW treffen kann, ansonsten sieht und hört man sich über den PC.

Das Einstiegsseminar ist dafür da, uns über unsere Rechte und Pflichten zu informieren und bei möglichen Problemen helfen zu können. Es dient ebenfalls als erste Kennenlernphase zwischen den Seminarteilnehmerlnnen, in der man viel über bisherige Erfahrungen und Zukunftswünsche spricht und die Einsatzstellen aus Neugier miteinander vergleicht. Man findet schnell Unterschiede und Gemeinsamkeiten, über die man sich stundenlang austauschen kann.

Die folgenden Seminare beinhalten Themen zur politischen Bildung und zur Kompetenz. Die Seminare sollen unseren gesellschaftlichen Horizont erweitern und uns unsere freiwillige Arbeit bewusster machen. Wir haben den Auftrag all das, was wir dort lernen und besprechen, auf unseren Alltag zu projizieren und dies zu reflektieren.

Am Ende findet das Abschlussseminar statt, welches lockerer und unternehmungslustiger gestaltet ist. Es soll ein Dankeschön der Bundesregierung an uns Bufdis für unseren Dienst darstellen.

Welche Erfahrung ich grundsätzlich am wertvollsten finde, ist die, nach 12 Jahren Schulzeit plötzlich einem Vollzeitjob ausgesetzt zu sein. Die ersten Wochen sind hart und fordern Geduld und Durchhaltevermögen, aber nachdem man sich in die Routine eingefunden hat, verläuft alles reibungslos.

Mir hat das offenherzige Team der Grundschule Grüntal und die angenehme Atmosphäre dabei geholfen, mich schnell willkommen zu fühlen. Man knüpft ununterbrochen Kontakte und erfährt ständig und überall Menschlichkeit- soziale Arbeit pur. Über die Zeit hinweg habe ich viele Einblicke hinter die Kulissen gewonnen:

Ich kenne jetzt nicht nur die Arbeit einer Lehrerin, einer Sonderpädagogin, einer Sekretärin oder eines Schulleiters, sondern habe die Freude, die Vorbereitung und das gegenseitige Helfen, sowie den Stress und so manche Fehler hinter der Arbeit miterlebt.

Als Schülerln neigt man mal dazu zu denken, dass die Lehrkräfte, die an der Tafel stehen, einen Plan von allem haben, alles wissen und alles mitbekommen- dem sei nicht so. Auch wenn man sich denken kann, dass Lehrerlnnen nicht perfekt sein können, tat es gut mitzubekommen, dass jeder mal Fehler macht und jeder seine Macken hat.

Allgemein würde ich den BFD von Herzen weiterempfehlen- ob nach dem Abitur oder irgendwann zwischendurch (den BFD kann man, im Gegensatz zum FSJ, mehrmals und auch im höheren Alter machen). Es ist eine fabelhafte Möglichkeit in die soziale Arbeit einzusteigen, viel zu lernen, Menschen jeden Alters kennenzulernen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erforschen und auf Meinungen von A bis Z zu treffen.

Es ist auch nicht schlimm die einzige Bufdine in der Einsatzstelle zu sein, ganz im Gegenteil: Ich habe diese Ausgangssituation sehr genossen. Es mag kurz erschreckend klingen nach den vielen Jahren in der Schule, die man immer mit seinen Freunden verbringen durfte, jedoch hilft es der eigenen Entwicklung ungemein weiter, auf sich selbst gestellt zu sein.

Für mich war es genau das Richtige nach der Lockdownzeit, in der viel Unterricht online stattfand und einiges an Bewegung ausblieb. Die Abwechslung und Flexibilität des Freiwilligendienstes bat mir das optimale praktische Handwerk, welches ich als Überbrückung und als Berufserfahrung brauchte.

Leider sind die 12 Monate schneller vergangen als mir recht und lieb ist… aber: Wer einmal ein Grüni war, bleibt es für immer.